Die hier vorgenommene Beschreibung soll Ihnen einen Überblick darüber geben, wie ein eduScrum Sprint im Kontext des Seminars und in der Umsetzung in ILIAS idealtypisch abläuft.
ThemenwahlDas eduScrum Team wählt (wenn durch das Seminarkonzept nicht vorgegeben) gemeinsam ein Thema für den nächsten Sprint aus. Darüber hinaus bestimmt das Team einen eduScrum Master für die Dauer des kommenden Sprints.
Vorbereitung des Sprint Planning MeetingsJedes Teammitglied liest intensiv, den vom Product Owner bereitgestellten Basistext zum gewählten Sprintthema (sollten einem Sprintthema mehrere Texte zugeordnet sein, wählt das eduScrum Team vorzubereitende Texte aus oder verteilt Texte auf die einzelnen Teammitglieder).
Bei der Beschäftigung mit dem Basistext empfiehlt es sich die (von der Lerperson vorgegebenen) zu erreichenden Lernziele präsent zu haben. So können aus dem Text bereits Aufgaben mögliche Akzeptanzkriterien werden, deren Bearbeitung zur Erreichung der Lernziele beiträgt. Auch Irritationen und Unklarheiten sollten notiert werden, um sie später in der Gruppe oder gemeinsam mit der Lehrperson auflösen zu können.
Das Print Planning MeetingZum Sprint Planning Meeting bringen alle eduScrum Teammitglieder ihre aus dem Basistext gewonnenen Erkenntnisse und Ideen mit.
Das Team legt fest anhand welches digitalen Tools die Arbeitsergebnisse des kommenden Sprints präsentiert werden sollen.
Das Team trägt die von der Lehrperson vorgegebenen Lernziele (Storys) in das für den Sprint vorgesehene Flip (in ihrem Gruppenraum) ein.
Das Team erweitert die von de Lehrperson vorgegebenen Qualitätsmerkmale in der Definition of Done um eigene Kriterien und entwickelt die gemeinsamme Definition of Fun (weiter).
Gemeinsam leitet das Team aus den einzelnen Lernzielen jeweils mehrere Akzeptanzkrieterien ab. Aus den Akzeptanzkriterien ergeben sich wiederum konkrete Aufgaben die zu erledigen sind um die Lernziele unter Berücksichtigung der Akzeptanzkriterien und Einhaltung der Definition of Done und der Definition of Fun zu erreichen.
Nachdem alle zu erledigenden Aufgaben bestimmt und konkret ausformuliert im Flip hinterlegt wurden bestimmt das Team anhand des Sprint Planning Pokers den voraussichtlichen Bearbeitungsaufwand der einzelnen Aufgaben (dies kann zur Streichung, Überarbeitung, Umformulierung oder Ersetzung von Aufgaben führen). Um einschätzen zu können ob die Aufgaben in der vorgegebenen Zeit durch das Team bearbeitbar sind, werden die Ergebnisse aus dem Sprint Planning Poker in das Run up Chart übertragen. Da die Teams nun wissen mit welchem Bearbeitungsumfang pro Woche zu rechnen ist (dies kann sich durch Neuplanungen während des Sprints verändern) beginnen sie mit der Verteilung der Aufgaben für die erste Woche. Das zentrales Kriterium für die Aufgabenbestimmung ist stets "das Wichtigste zuerst".
1. Arbeitsphase: Erledigung der AufgabenJedes Teammitglied bearbeitet die ihm zugewiesene Aufgabe so, dass am Ende ein fertiger Teil des Endproduktes (Wiki, Blog, Lernmodul, Glossar, Podcast, Übung, Datei etc.) im Gruppenraum des ILIAS-Kurses hinterlegt ist.
Sobald die Aufgabe erledigt worden ist, stellt sie das Teammitglied, das sie fertiggestellt hat, im digitalen Flip von „in Progress“ auf „Done“.
Sollte die Aufgabe schneller erledigt worden sein als angenommen, deutlich mehr Zeit beansprucht haben als geplant oder war die Aufgabe gar nicht in der Form zu bearbeiten, wie es das Team geplant hatte (keine Literaturquellen, unklare Aufgabenbeschreibung etc.), notiert das Teammitglied die relevanten Aspekte, um sie im Rahmen des nächsten Treffens des eduScrum Teams zu diskutieren.
1. TeamphaseDie Teamphase soll vor dem Stand Up (selbstorganisiert, online oder offline) stattfinden.
Die eduScrum Teammitglieder stellen sich gegenseitig die Produkte ihrer Arbeit der vergangenen Woche vor. Ziel ist, dass jedes Teammitglied über das relevante Wissen zu jedem Teilprodukt verfügt.
Die eduScrum Teammitglieder tauschen sich bezüglich ihrer Erfahrungen mit der Bearbeitung der Aufgaben aus der letzten Woche aus (Notizen). Dies kann dazu führen, dass Aufgaben auf dem Flip neu formuliert oder kleinteiliger aufgeteilt werden (müssen). Es können neue Aufgaben hinzukommen deren Bearbeitung zur Erreichung der Lernziele notwendig erscheint oder es werden Aufgaben aus dem Flip entfernt. Daraufhin verteilt das eduScrum Team die Aufgaben, die bis zur kommenden Woche final zu erledigen sind.
1. Stand UpDas Stand Up wird (mindestens) einmal wöchentlich eigenverantwortlich durch das Team durchgeführt. Das Team stellt sich im kreis auf und jedes Teammitglied berichtet kurz und knapp
- was es in der vergangenen Woche gemacht hat
- was es in der kommenden Woche machen will
- was den Arbeitsprozess / das Erfüllen der Aufgabe erschweren bzw. behindern könnte.
Bei Bedarf kann das Team die Lehrperson zu den Stand Ups hinzu bitten und um Unterstützung bitten (beispielsweise indem sie weiterführende Literatur, Links etc. im Product Backlog des ILIAS-Kurses zur Verfügung stellt oder Hinweise und Tipps gibt). Das Stand Up sollte in der Regel nicht länger als fünf Minuten dauern. Ziel ist sicherzustellen, dass alle teammitglieder wissen was bereits final erledigt wurde und was bis zum nächsten Treffen final erledigt sein soll. Zudem können von einzelnen Teammitgliedern antizipierte Probleme durch andere Teammitglieder aufgegriffen, kommentiert oder sogar ausgeräumt werden.
(Damit die eduScrum Teams die Methode in einem geschützten Raum und mit der Möglichkeit von Unterstützung einüben und verinnerlichen können, ist die Lehrperson bei den Stand Ups während des erstens Sprints zugegen).
2. Arbeitsphase: Erledigung der AufgabenGenau wie in der ersten Arbeitsphase erledigt jedes Teammitglied die ihm zugewiesene Aufgabe und fügt sie in das Endprodukt (Sprintergebnis) ein. Auch werden Probleme zur Zeitplanung und Aufgabenbewältigung notiert, um sie im Rahmen der nächsten Teamphase und / oder Stand Up zu thematisieren. Dies ist von besonderer Bedeutung, da die Identifikation von Fehlplanungen des Teams die Grundlage dafür bildet, diese Fehlplanungen zur fortlaufenden Verbesserung zu nutzen. Dies spart Zeit, Energie und erhöht die Freude an der Arbeit.
2. TeamphaseGenau wie in der ersten Teamphase präsentieren sich die Teammitglieder gegenseitig das von ihnen erzeugte Produkt und die zentralen inhaltlichen Aspekte. Das Team bespricht was besonders gut oder schlecht lief, passt ihr Flip an die Erkenntnisse an, verteilt die Aufgaben für die kommende Woche und bereitet das Stand Up vor.
Zyklus: Stand Up / Arbeitsphase / TeamphaseDieser Zyklus wiederholt sich so lange bis das Team der Meinung ist, dass die Definition of Done erfüllt, die Lernziele erreicht und die Akzeptanzkriterien berücksichtigt wurden.
Die Sprint ReviewUm vor der Veröffentlichung des Sprintergebnisses sicherzustellen, dass das Produkt die geforderte Qualität hat, führt das Team den Selbstlerntest (der dem jeweiligen Sprintthema in ILIAS zugeordnet ist) durch. Dieser Test ist vor der Veröffentlichung des Produktes verpflichtend vom gesamten Team über den ILIAS-Account des jeweiligen Team Captains durchzuführen. Es wird jedoch empfohlen, dass alle Team Mitglieder den Test parallel über ihren jeweiligen Account absolvieren. Dadurch wird sichergestellt, dass die Testergebnisse in den Accounts aller eduScrum Teammitglieder hinterlegt und aktuell sind.
Ergibt die Selbstüberprüfung, dass die Lernziele mindestens zu 80% erfüllt wurden kann das Sprintergebnis veröffentlicht werden. Liegt das Gesamtergebnis unter 80% muss das eduScrum Team eine weitere Arbeitsphase planen und durchführen und den Test dann erneut durchführen, um zu überprüfen ob das Endprodukt die Mindestanforderungen (80% der Gesamtheit der Lernziele wurden erreicht) nun erfüllt. Das eduScrum Team kann jedoch auch bei einem Testergebnis von 80% oder mehr eine weitere Arbeitsphase planen, wenn es beispielsweise in seiner Definition of Done den Anspruch formuliert hat alle Lernziele (oder auch nur eines) zu 100% erreichen zu wollen.
Die Veröffentlichung des SprintergebnissesDer Team Captain veröffentlicht das Sprintergebnis innerhalb des ILIAS-Kurses. Nun können auch alle anderen Seminarteilnehmenden auf das Produkt zugreifen. Die Lehrperson wird die Produkte der einzelnen Teams stichprobenartig mit unterschiedlicher inhaltlicher Tiefe überprüfen und ggf. Nacharbeiten einfordern, sollte die Definition of Done nicht eingehalten oder die Lernziele nicht erreicht worden sein.
Die Sprint RetrospektiveIm Rahmen einer Teamphase (online oder offline) führt das Team die Sprint Retrospektive gemäß des Konzeptes eduScrum durch. Die gewissenhafte Durchführung dieses eduScrum Ereignisses ist von zentraler Bedeutung für die Optimierung künftiger Arbeitsprozesse, die Weiterentwicklung des Teams und die Aufrechterhaltung und Erhöhung der Freude an der Arbeit. Außerdem ist die Dokumentation dieses Prozesses (Beantwortung der Einzelfragen, Protokollierung des Ergebnisses der Diskussion in der Gruppe) Bestandteil der Studienleistung. Eine gewissenhafte Durchführung dieses eduScrum Ereignisses ist demnach nicht nur notwendiger Bestandteil des Prozesses, sondern gleichzeitig die Anfertigung der Studienleistung.
Am Ende der Sprint Retrospektive, wählt das Team ein Thema für den nächsten Sprint (insofern nicht durch die Lehrperson vorgegeben), sowie einen neuen Team Kaptain, bereitet die Basistexte auf und führt das Sprint Planning Meeting durch. Dabei lässt das Team die Ergebnisse der Sprint Retrospektive einfließen und bestimmt vor diesem Hintergrund die Aufgaben, die digitalen Tools zum kooperativen Arbeiten, das digitale Tool zum Präsentieren des Sprintergebnisses, die Modi der Teamphasen (online, offline, beides) und sonstige Aspekte, die zu einer stetigen Verbesserung der Arbeitsprozesse führen.